
Dachsanierung AblaufSechs Phasen vom Bestandscheckzur Abnahme in NRW
Von der ersten Begehung bis zur BAFA-Auszahlung dauert eine Dachsanierung 4 bis 6 Monate. Sechs Schritte mit konkreten Wochenangaben, Bauzeit-Faktoren und vier typischen Fehlern, die den Förderanspruch kosten.
Planung, Bau und Abnahme
Jede Dachsanierung läuft durch drei Phasen mit unterschiedlicher Dauer und unterschiedlichem Stress-Level. Die Reihenfolge ist verbindlich, weil Förderfristen und Vertragslogik daran hängen.
Planungsphase
Vor dem ersten Werkzeug
6 bis 12 Wochen
Aufgaben in dieser Phase
- + Bestandsaufnahme und Begehung
- + Energieeffizienz-Experte einbinden
- + Drei bis fünf Angebote einholen
- + Förderantrag bei BAFA / KfW
- + Werkvertrag mit Förderklausel
Die längste Phase, oft unterschätzt. Förderbescheide brauchen 4 bis 6 Wochen, in dieser Zeit darf der Werkvertrag noch nicht in Kraft sein. Wer vorher loslegt, verliert den Förderanspruch komplett. Reihenfolge ist wichtiger als Zeitdruck.
Bauphase
Dach offen, Baustelle aktiv
2 bis 4 Wochen
Aufgaben in dieser Phase
- + Gerüst aufstellen, Schutzmaßnahmen
- + Altdeckung abreißen, entsorgen
- + Konterlattung und Dämmung neu
- + Eindeckung, Anschlüsse, Rinnen
- + Tägliche Foto-Doku des EEE
Die laute Phase. Bei trockenem Wetter durchgehend besetzt, bei Regen Notabdeckung. Dauer hängt von Dachfläche, Dachform und Dämmungs-Tiefe ab. Standard-EFH 150 m² Satteldach: rund 3 Wochen Bauzeit.
Abnahmephase
Nachweis und Zuschuss
4 bis 8 Wochen
Aufgaben in dieser Phase
- + Bauleiter-Abnahme mit Fotoprotokoll
- + Energieeffizienz-Experte erstellt TPN
- + Verwendungsnachweis bei BAFA
- + Schlussrechnung Dachdecker
- + BAFA-Zuschuss aufs Konto
Die Phase, in der das Geld fließt. TPN-Frist 6 Monate nach Fertigstellung, Auszahlung 6 bis 8 Wochen nach Einreichung. Mängelbeseitigung ist im Werkvertrag geregelt, oft 5 Jahre Gewährleistung VOB.
Vom Bestandscheck bis zur Auszahlung
Sechs konkrete Schritte mit Wochenangaben. Jeder Schritt hat seine eigene Frist, Verzögerungen in einem Schritt verschieben alle nachfolgenden.
Bestandsaufnahme und Begehung
Woche 1, kostenlosDer Dachdeckerbetrieb begeht das Dach von außen mit Leiter oder Drohne, prüft Eindeckung, Unterspannbahn, Sparren und Anschlüsse. Bei begehbarem Dachboden zusätzlich Innenbegehung mit Bewertung der Dämmung. Erste Einschätzung: Reparatur, Teilsanierung oder Komplett-Erneuerung. Kostenfrei und unverbindlich, Dauer 1 bis 2 Stunden.
Planung mit Energieeffizienz-Experte
Woche 2 bis 4Der EEE aus der dena-Liste erstellt das Sanierungskonzept mit U-Werten, Dämmstärken und Materialwahl. Bei BAFA-Förderung mit iSFP wird der individuelle Sanierungsfahrplan erarbeitet, das BAFA bezuschusst das Honorar zu 50 Prozent (max. 650 Euro EFH, 850 Euro ab 3 WE). Ergebnis: technische Projektbeschreibung mit eigener Identifikationsnummer, gültig 2 Monate.
Förderantrag und Werkvertrag
Woche 4 bis 8Mit der TPB-Identifikationsnummer wird der Antrag online beim BAFA-Portal oder über die Hausbank bei der KfW eingereicht. Bearbeitungszeit 4 bis 6 Wochen. Parallel werden 3 bis 5 Angebote von Dachdeckerbetrieben eingeholt und der beste Vertrag mit aufschiebender Förderbedingung unterschrieben. Vorher dürfen weder Material noch Arbeiten begonnen werden.
Gerüst und Bauvorbereitung
Tag 1 bis 3Das Gerüst wird aufgestellt (Standardpreis rund 500 Euro je Hausseite), Container für Bauschutt geliefert (300 bis 700 Euro für 10 m³), Schutzmaßnahmen für Fenster und Beete getroffen. Bei Mehrfamilienhäusern wird das Treppenhaus durch Folien geschützt, bei kleinen Kindern werden Außenbereiche abgesperrt. Anwohner werden über Lärmzeiten informiert.
Sanierung und Bauausführung
Woche 1 bis 4Altdeckung abreißen, Sparren prüfen und ggf. ersetzen, Dampfbremse einziehen, Aufsparren- oder Zwischensparrendämmung einbauen, Konterlattung, Unterspannbahn, neue Eindeckung. Anschlüsse an Schornstein, Gauben und Wänden detailliert ausführen. Rinnen, Fallrohre, First, Traufblech installieren. Dauer je nach Dachgröße 2 bis 4 Wochen, Foto-Doku durch EEE laufend.
Abnahme und Verwendungsnachweis
Woche 5 bis 6Bauabnahme mit Eigentümer, Dachdecker und EEE. Mängelliste, falls nötig, mit Frist zur Beseitigung. EEE erstellt den technischen Projektnachweis (TPN) mit allen Foto-Dokumenten und reicht ihn beim BAFA ein. Schlussrechnung und Förderbescheid kommen 6 bis 8 Wochen später, dann Auszahlung des Zuschusses oder Verbuchung gegen den KfW-Kredit.
Konkrete Bauzeit für dein Dach kalkulieren
Mit Dachfläche, Dachform und Dämmungs-Tiefe lässt sich die Bauzeit auf 1 Woche genau schätzen. Wir machen die Kalkulation kostenfrei vor Ort.
Vier Variablen bestimmen die Dauer
Dachgröße, Dachform, Dämmungs-Tiefe und Wetter sind die wichtigsten Stellschrauben für die Bauzeit. Faustregeln helfen bei der ersten Einschätzung, die genaue Kalkulation macht der Dachdecker vor Ort.
Dachgröße
100 bis 250 m²
Je größer die Dachfläche, desto länger die Bauzeit. Faustformel: 5 bis 7 m² Eindeckung pro Mannstunde inkl. Vorarbeiten. Bei 150 m² Satteldach und 3-Mann-Team also 3 Wochen, bei 250 m² entsprechend 4 bis 5 Wochen. Größere Dächer benötigen mehr Gerüstmaterial und größere Container, das verlängert auch Auf- und Abbau-Tage.
Dachform
Sattel bis Mansard
Satteldach ist am schnellsten, weil rechteckige Flächen ohne komplexe Anschlüsse. Walmdach kostet 50 Prozent Aufschlag wegen vier Dachflächen mit Graten. Mansarddach 30 bis 40 Prozent mehr Bauzeit durch Kniestöcke und Dachbruch. Krüppelwalm und Zeltdach erhöhen die Komplexität nochmals durch zusätzliche Dachdetails.
Dämmung-Tiefe
12 bis 24 cm
Aufsparrendämmung 200 mm PIR plus Konterlattung dauert länger als reine Eindeckung, weil zusätzliche Lagen verarbeitet werden. Standard-Aufsparren mit 180 bis 220 mm: rund 5 Tage Mehraufwand bei 150 m². Zwischensparren ist schneller, weil von innen gearbeitet wird, dafür ist die Wohnnutzung im Dachgeschoss eingeschränkt.
Wetter
Regen und Frost
Bei offener Dachfläche darf nicht geregnet werden, sonst Notabdeckung. Bei Frost unter minus 5 Grad ruht die Bitumen-Verarbeitung am Flachdach. Saisonal sinnvoll: April bis Oktober. Wintermonate sind günstiger im Preis (Auftragstief), aber wetterabhängig und mit Wartetagen-Risiko. Witterungsbedingte Verzögerung selten über 1 Woche.
Vier Konstellationen, vier Empfehlungen
Selbstnutzer können meist im Haus bleiben, bei Kleinkindern oder Innen-Sanierung ist Auswärtswohnung sinnvoll. Bei Mietern gilt die Duldungspflicht nach BGB mit Ankündigungs-Frist.
Selbstnutzer im Haus bleiben
in der Regel möglich
In den meisten Fällen problemlos möglich. Sanierung von außen, das Haus bleibt bewohnbar. Lärm- und Staubbelästigung vor allem am Tag, abends Ruhe. Bei trockenem Wetter durchgehend besetzte Baustelle, bei Regen Pause. Wer von zuhause arbeitet, nutzt am besten ein Zimmer im Erdgeschoss oder Co-Working für die zwei lautesten Wochen.
Mit Kleinkindern oder Allergie
Auswärtswohnung empfohlen
Bei Kleinkindern oder Atemwegs-Allergien empfehlen wir Auswärtswohnung für die Hauptbauwoche (Abriss und Eindeckung). Staubbelastung beim Abriss der Altdeckung erheblich, auch bei geschlossenen Fenstern. Großeltern, Ferienwohnung oder Hotel für 5 bis 10 Tage planen. Kosten meist günstiger als spätere Atemwegs-Behandlung.
Sanierung von innen (Zwischensparren)
Räume nicht nutzbar
Bei Innen-Sanierung der Zwischensparrendämmung sind die Räume unter dem Dach für mehrere Tage nicht nutzbar. Möbel müssen rausgeräumt oder vollständig mit Folien abgedeckt werden. Wohnen in den Räumen während der Arbeiten ist unmöglich. Wer das Dachgeschoss ausgebaut bewohnt, plant eine Auswärtswohnung für 1 bis 2 Wochen ein.
Mehrfamilienhaus mit Mietern
Duldungspflicht § 555d BGB
Mieter müssen 3 Monate vor Beginn schriftlich informiert werden (§ 555c BGB), Duldungspflicht gilt (§ 555d BGB). Kein Auszug nötig. Bei energetischer Modernisierung erste 3 Monate keine Mietminderung möglich (§ 536 Abs. 1a BGB). Praxis-Hinweis: Im Treppenhaus Aushang mit Wochenplan, das senkt Konflikt-Risiko mit Mietern erheblich.
Vier Fehler, die den Förderanspruch kosten
Konkrete Fehler aus der Praxis mit Ursache, Folge und Gegenmaßnahme. Jeder Fehler kostet Geld oder Zeit, manche das gesamte BAFA/KfW-Förderpaket.
Werkvertrag vor Förderantrag
Ursache
Werkvertrag wird mit dem Dachdecker geschlossen, bevor der BAFA- oder KfW-Antrag gestellt ist. Auch Material-Lieferung an die Baustelle gilt als Vorhabensbeginn.
Folge
Förderausschluss komplett. Die aufschiebende Bedingung im Vertrag schützt nur, wenn der Antrag schon im Behörden-Posteingang ist.
Vermeidung
Reihenfolge ist wichtiger als Zeitdruck. Erst Förderantrag mit TPB-Nummer, dann Werkvertrag mit aufschiebender Klausel, dann Material und Ausführung.
Keine Foto-Doku der Dämmung
Ursache
Das Dach wird geschlossen, bevor der EEE die eingebaute Dämmung mit Maßstab fotografiert hat. Termin-Koordination zwischen Dachdecker und EEE fehlt.
Folge
TPN wird abgelehnt. BAFA fordert Nachweis der Dämmstärken und lehnt im Zweifel den gesamten Verwendungsnachweis ab, der Zuschuss verfällt.
Vermeidung
Termin-Koordination zwischen Dachdecker und EEE ist Pflicht, kein Nice-to-have. Foto-Doku-Workflow vor Baubeginn schriftlich vereinbaren.
Sanierung im Winter ohne Notabdeckung
Ursache
Bei offener Dachfläche und plötzlichem Niederschlag im Winter (November bis Februar) fließt Wasser in die Wohnräume. Notabdeckung mit Plane fehlt vor Ort.
Folge
Wasserschaden droht. Schäden an Decken, Dämmung, Möbeln. Versicherung zahlt nicht ohne Nachweis ordnungsgemäßer Notabdeckung.
Vermeidung
Die tägliche Wettervorhersage prüfen. Notabdeckung-Material vor Ort halten. April bis Oktober ist die saisonal günstigere Bauzeit für die Sanierung.
Kein Container für Bauschutt
Ursache
Kein 10-m³-Container vor Ort. Altziegel, Dämmreste und Bauholz werden notgedrungen auf den Anhänger geladen und selbst zur Deponie gefahren.
Folge
Doppelter Aufwand, höhere Entsorgungskosten und Risiko von Bußgeldern bei nicht-fachgerechter Entsorgung. Bei Asbest-Funden zusätzliche Probleme.
Vermeidung
Container kostet 300 bis 700 Euro, deckt Mineralwolle, Ziegel, Holzreste. Asbest braucht eigenen Container und Fachfirma mit TRGS-519.
Acht Fragen zum Ablauf der Dachsanierung
Bauzeit, Förderfristen, Wohnen während der Sanierung und Mängelhaftung. Antworten auf Basis von BAFA, KfW und gängiger Dachdecker-Praxis.
Ablauf-Check vor dem Werkvertrag
Bevor der Werkvertrag steht, koordinieren wir Energieberater, BAFA-Antrag und Dachdecker im richtigen Takt. So bleibt der Förderanspruch unangetastet, und die Bauphase startet mit allen Genehmigungen in der Tasche.