Dachsanierung NRWDachsanierung NRW

Flachdach ohne Abrisssanieren: Methode,Voraussetzungen, Grenzen

Über bestehender Bahn ertüchtigen, drei- bis fünfmal günstiger als Komplettsanierung. Voraussetzung: Tragwerk intakt, Bestand fest haftend, Dämmung trocken. Wann es geht, wann nicht.

Schichtaufbau

Sieben Lagen über der bestehenden Bahn

Die alte Bitumen-Bahn wird zur Trägerschicht für ein zwei-lagiges Flüssigkunststoff-Vlies-System. Bestehende Dämmung und Dampfbremse bleiben unangetastet, sofern Restfeuchte und Tragwerk geprüft sind.

Top-Coat (zweite Schicht)
PMMA oder PU, UV-stabil, einfärbbar
0,8-1,2 mm
Vlies-Einlage mit Erst-Coat
Polyestervlies in nasse Erstschicht eingebettet
1,3-1,9 mm
Voranstrich (Primer)
Haftbrücke auf gereinigte Bestands-Bahn
ca. 0,1 mm
Bestehende Bitumen-Bahn
Gereinigt, ertüchtigt, als Trägermaterial nutzbar
Bestand
Bestehende Dämmung
PIR / EPS / Mineralwolle, Restfeuchte unter 5 Prozent
Bestand
Bestehende Dampfbremse
Polymerbitumen-Bahn oder Kunststoffolie
Bestand
Tragschicht (Dachdecke)
Stahlbeton, Trapezblech oder Holzschalung
Bestand

Aufbau nach DIN 18531-2 K2 (Trockenschichtdicke mindestens 2,1 mm).

Voraussetzungen

Sechs Eignungs-Kriterien vor der Sanierung ohne Abriss

Diese Prüfungen entscheiden, ob die bestehende Substanz tragen kann oder ob ein Vollabriss erforderlich wird. Restfeuchte und Tragwerk sind die zwei Knock-out-Punkte.

KriteriumPrüfmethodeGrenzwert
Tragwerk statisch intaktSichtprüfung auf Risse, DurchbiegungOhne Mängel = freigegeben
Bestands-Bahn fest haftendAbreißversuch + KlopfprobeLose Stellen unter 10 % Fläche
Restfeuchte DämmungBohrkern + Darrwägung im LaborMaximal 5 Massenprozent
Blasenbildungen entfernenAufschneiden, abkratzen, kontrollierenVor Voranstrich abgeschlossen
Anschlüsse und NotüberlaufHochzug-Maß und Befestigung prüfenDIN 18531 Mindestmaße einhalten
GEG-Trigger nicht ausgelöstEingriffstiefe und Dachhaut-DefinitionBeschichtung statt Erneuerung
Strategie-Vergleich

Sanierung ohne Abriss oder Komplettsanierung

Investition, Bauzeit, Förderzugang und GEG-Trigger unterscheiden sich grundlegend. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt vom Substanz-Zustand und vom Förderziel ab.

Sanierung ohne Abriss

Über bestehender Schicht ertüchtigen

  • Investition 40 bis 70 Euro pro Quadratmeter, etwa Faktor 3 bis 5 unter einer Komplettsanierung.
  • Bauzeit für 80 bis 120 Quadratmeter ein bis zwei Wochen, Container und großer Rückbau entfallen.
  • Lebensdauer der Top-Schicht 25 bis 40 Jahre, plus Restlebensdauer der bestehenden Aufbauten.
  • GEG-Trigger wird nicht ausgelöst, weil die Dachhaut nicht komplett erneuert wird (Beschichtungs-Logik).
  • Kein BAFA-Zugang, weil keine energetische Maßnahme. U-Wert bleibt auf Bestands-Niveau.
  • Nicht möglich bei feuchter oder versprödeter Dämmung, statisch geschwächter Tragschicht.

Komplettsanierung

Rückbau plus neuer Aufbau

  • Investition 100 bis 300 Euro pro Quadratmeter, etwa drei- bis siebenmal so hoch wie Sanierung ohne Abriss.
  • Bauzeit zwei bis drei Wochen, Container 10-Kubikmeter mehrfach, Wetterabhängigkeit höher.
  • Voller Eingriff in die Dachhaut, alle Schichten neu nach aktuellem Norm-Stand und Detail-Katalog.
  • Dämmung neu, U-Wert auf 0,2 oder 0,14 W/(m²K), GEG-konform und BAFA-förderfähig.
  • BAFA 15 bis 20 Prozent oder KfW 261 mit bis zu 45 Prozent Tilgungszuschuss möglich.
  • Triggert in NRW die Solarpflicht nach Paragraf 42a BauO bei vollständiger Dachhaut-Erneuerung.

Eignung Ihres Bestands-Flachdachs prüfen

Bohrkern, Restfeuchte-Test und Tragwerks-Sichtprüfung in einem Termin. Dauer etwa zwei Stunden, anschließend belastbare Empfehlung Sanierung ohne Abriss oder Komplettsanierung.

Termin anfragen
Bauablauf

Fünf Schritte vom Ortstermin bis zur Endabnahme

Sanierung ohne Abriss läuft in fünf abgegrenzten Stufen ab. Restfeuchte-Test, Druckwasser-Reinigung, Voranstrich, Vlies-Einlage und Top-Coat sind kein Pauschalpaket, sondern jede Stufe hat ihre eigene Trockenzeit.

01

Bestandsanalyse + Restfeuchte-Test

Dauer 1 Tag

Sichtprüfung der Bestands-Bahn, Bohrkern-Entnahme aus der Dämmung, Foto-Dokumentation der Anschlüsse. Restfeuchte wird im Labor durch Darrwägung bestimmt. Bei Werten über 5 Massenprozent ist Trocknung oder Ausbau erforderlich, sonst Sanierungs-Stopp.

02

Druckwasser-Reinigung der Bestands-Bahn

Dauer 1-2 Tage

Lose Bekiesung, Moos und Ablagerungen werden mit 100 bis 150 Bar Druckwasser entfernt. Anschließend Trocknungs-Phase, mindestens 24 Stunden bei Sonne und Wind. Blasen werden aufgeschnitten und nicht tragende Teile entfernt, damit der Voranstrich vollflächig haften kann.

03

Voranstrich auftragen, Anschlüsse vorbereiten

Dauer 1 Tag

Primer wird mit Rolle vollflächig auf die getrocknete Bahn aufgebracht. Anschlüsse an Attika, Wand und Durchdringungen erhalten Mindesthochzug 15 Zentimeter und Eckverstärkung. Trockenzeit Voranstrich nach Hersteller, meist 4 bis 8 Stunden bei 15 Grad Außentemperatur.

04

Vlies einlegen + Erst-Coat applizieren

Dauer 1-2 Tage

Polyestervlies wird passgenau zugeschnitten und in den nass aufgetragenen ersten Flüssigkunststoff eingedrückt. Vlies muss vollflächig benetzt sein, ohne Falten und Lufteinschlüsse. Anschluss-Eckdetails mit verstärkendem Vlies bekleiden. Trockenzeit 12 bis 24 Stunden je System.

05

Top-Coat aufrollen + Endabnahme

Dauer 1 Tag

Zweite Schicht Flüssigkunststoff wird aufgerollt, Endmaß Trockenschichtdicke nach DIN 18531 K2 mindestens 2,1 Millimeter. Auf Wunsch UV-stabile Einfärbung. Nach 7 bis 14 Tagen Endhärte erreicht. Schluss-Begehung mit Foto-Doku startet die 5-Jahres-Gewährleistung.

Wann nicht möglich

Fünf Ausschluss-Kriterien für Sanierung ohne Abriss

Wenn eines dieser Signale erfüllt ist, taugt die Bestands-Schicht nicht mehr als Trägerschicht. Dann ist Komplettsanierung oder Teil-Rückbau die ehrlichere Antwort.

Tragwerk geschwächt

Sanierung gestoppt

Sichtbare Durchbiegungen über 1 Zentimeter pro Meter Spannweite, Risse an Auflagepunkten oder durchfeuchtete Stahl-Trapezprofile mit Korrosion sind Knock-out-Kriterien. Sanierung ohne Abriss würde die statische Schwäche überdecken; Vollabriss inkl. Tragwerksprüfung durch Statiker ist nötig.

Substanz-Schäden in Bahn

Vollabriss empfohlen

Wenn die Bestands-Bahn großflächig vom Untergrund gelöst, gerissen oder mit Wasser durchsetzt ist, taugt sie nicht mehr als Trägerschicht. Aufschneiden zur Inspektion zeigt typischerweise Hohlräume, in denen Wasser eingeschlossen ist. Hier hilft nur Rückbau bis auf die Tragschicht.

Dämmung über 5 Prozent feucht

Trocknen oder neu

Bohrkernuntersuchung der Dämmung zeigt Wassergehalt über 5 Massenprozent. Eingeschlossene Feuchte zerstört auch eine neue Beschichtung. Optionen: Trocknung mit Entspannungslüftern oder Teilabriss mit Austausch der nassen Felder, dann Sanierung ohne Abriss möglich.

Anschlüsse + Notüberläufe defekt

Detail-Erneuerung

Wenn Attika-Bleche korrodiert sind, Wandanschlüsse fehlen oder die Notüberläufe verstopft und unterdimensioniert sind, reicht eine Beschichtung nicht. Vor der Sanierungs-Schicht müssen alle Anschlüsse nach DIN 18531 erneuert werden, sonst läuft Wasser hinter die neue Schicht.

Förder-Pflicht steht im Raum

Komplettsanierung statt

Wenn BAFA-Förderung oder GEG-konforme Dämmung das Ziel sind, muss eine Dämmungs-Maßnahme integriert werden. Diese löst meist den GEG-Trigger und damit Anforderungen an die gesamte Dachhaut aus. In dem Fall ist Komplettsanierung wirtschaftlich, weil Förderung den Aufpreis ausgleicht.

Vertiefend zu Methode, Materialwahl und Investitions-Vergleich:

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Sanierung ohne Abriss

Voraussetzungen, Lebensdauer, GEG-Pflicht, Investitions-Vergleich und System-Auswahl im Direkt-Antwort-Format.

Bestand prüfen, dann entscheiden

Wir prüfen Ihr Flachdach mit Restfeuchte-Test und Tragwerks-Sichtprüfung. Erst dann fällt die Entscheidung Sanierung ohne Abriss oder Komplettsanierung. Mit nachvollziehbarem Leistungsverzeichnis und Foto-Doku.